21. November 2009

soziale Systeme

Posted in Selbststudium, systemische Pädagogik um 10:18 von bpblogphtg

„Jedes lebende System ist so einmalig wie ein Fingerabdruck“

(Renoldner et al., 2006, S. 47)

In den lebenden Systemen verändern sich einzelne Teile durch das Zusammenspiel ständig von selbst. Verändert sich ein Teil des lebenden Systems, verändern sich alle anderen Teile mit.

Eine Idee zur Veranschaulichung von Veränderbarkeit in lebenden Systemen:

Gruppenaufgabe „System-stellen“:

Jede Person der Gruppe sucht sich (heimlich) zwei andere Personen der Gruppe aus. Die Gruppe beginnt sich im Raum zu bewegen. Jede Person muss versuchen, mit den zwei zuvor ausgewählten Personen ein Dreieck zu bilden, bis die gesamte Gruppe zum stehen kommt. Im Anschluss daran wird eine Person gebeten, sich zwei neue Personen auszusuchen. Nun beginnt die Gruppe erneut mit der Bewegung, bis sie zum Stillstand kommt.

  • Die Gruppe wird beim ersten Durchlauf eine andere Aufstellungsendform finden, wie im zweiten Durchlauf. Und dies nur, weil eine Person, ihre „Verhältnis“ zu einzelnen Personen der Gruppe geändert hat.
  • Diese Übung verdeutlicht die Veränderbarkeit lebender Systeme sehr deutlich und macht die Veränderung aller Teile eines lebenden Systems, ausgelöst durch die Veränderung von nur einem Teil, sichtbar.

Merkmale sozialer Systeme:

Soziale Systeme können zwar von außen gegründet werden (z.B. Schulklassen, Schulstufen, Lehrpersonengemeinschaft), erhalten sich aber selbst aufrecht, indem sie sich selbst organisieren. Dies geschieht durch Kommunikation und dem Suchen von Übereinstimmungen in Denken und Handeln der einzelnen Gruppenmitglieder. Der Prozess der Selbstorganisation schließt dementsprechend alle Interaktionen, die zur Selbsterschaffung und Aufrechterhaltung der Gruppe beitragen ein, insbesondere jene, die nicht von außen bestimmt werden können. Systeme sind in unterschiedliche Umwelten eingebettet. Jedes System nimmt Einfluss auf die Umwelt und wird gleichzeitig von ihr beeinflusst. Im Austausch mit der Umwelt organisieren sich Systeme ein lebenserhaltenes Gleichgewicht. Wird dieses Gleichgewicht gestört, verändert sich das System und organisiert sich neu oder es löst sich auf.

Was sagt uns das in Bezug auf die pädagogische Arbeit?

Die „Wirkungen in sozialen Systemen sind nicht beherrschbar oder vorhersehbar“ (Renoldner et al. 2006, S. 11). Dies ist ein wichtiger Punkt für die pädagogische Arbeit. Unterricht und Erziehung, Bildung und Training bringen nie ein vorhersehbares Ereignis, da sich soziale Systeme selbst organisieren. Jedoch können Pädagoginnen und Pädagogen mit ihrer Neugierde sehen, was im pädagogischen Kontext geschieht und möglich ist. Varga von Kybéd beschreibt dies wie folgt: „man braucht nicht zu wissen, was „gut“ oder „richtig“ ist, um zu wissen, was „besser“ oder „schlechter“ (Varga von Kybéd nach Renoldner et. al., 2006, S. 17) ist. Die Wirkung kann zwar nicht bestimmt werden, wir können aber aufeinander einwirken und uns gegenseitig beeinflussen!

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