25. November 2009

Wie Wirklichkeiten erfunden werden

Posted in Beschreiben/Erklären/Bewerten, Selbststudium, systemische Pädagogik um 12:23 von bpblogphtg

„Was wir von einer Beobachtung wiedergeben, ist nicht die Wirklichkeit.“

(Renoldner et al., 2006, S.16)

Unsere Wirklichkeitskonstruktionen haben Einfluss und Auswirkungen auf unsere Wahrnehmung und unser Handeln. Deswegen ist es notwendig, vor allem in der pädagogischen Arbeit, Beschreibungen der Wirklichkeit ohne emotionale Betroffenheit wiederzugeben. Je mehr aus eigenen Wertmaßstäben beurteilt und bewertet wird (Beurteilungsebene), desto enger wird der Blick und desto mehr sind wir in unseren Handlungsmöglichkeiten eingeschränkt. Gerade PädagogInnen sollten in ihrem Beruf stärker von der Beurteilungsebene, auf die Beschreibung gehen und sich dabei Zeit nehmen, um herauszufinden, auf welchen Beobachtungen sich ihre Hypothesen und Urteile gründen.

Um so wirklichkeitsgetreu wie möglich Beobachtungen zu formulieren, ist es hilfreich in 3 Schritten vorzugehen:

  1. Beschreiben: in einer Situation genau wiedergeben, was gesehen, gehört, etc. wurde. Dabei ist es wichtig, keine Bewertungen oder Begründungen in die Beschreibung mit einfließen zu lassen.
  2. Erklären = Hypothesen bilden: möglichst viele verschiedene Erklärungen/Hypothesen für das Wahrgenommene finden.
  3. Bewerten oder beurteilen: Schlüsse ziehen und Urteile bewerten, woraus dann unterschiedliche Ideen für Handlungen entstehen.

Oft greifen wir in unseren Beschreibungen auf bekannte und vertraute Handlungs- und Beurteilungsmuster zurück und bilden damit unsere „Wirklichkeitsschablonen“.

Unterscheiden zwischen harten und weichen Wirklichkeitsbeschreibungen:

Dinge werden anhand messbarer Unterschiede beschrieben (z.B. Masse und Dichte, Menge, Länge, Gewicht, Breite etc.). Beschreiben wir hingegen Beziehungen, beziehen wir uns auf Bedeutungen, Erklärungen, Interpretationen, Begründungen und Bewertungen. Die Wahl der Beschreibungen, Bewertungen und Erklärungen das Befinden und das Verhalten der Kommunizierenden. Dabei gilt:

„desto „bewertungsreicher“ die Beschreibungsart, desto deutlicher die Auswirkung.“

(Renoldner et al., 2006, S. 19)

Wirklichkeiten können härter (z.B.“ Diese Klasse ist chaotisch“) oder weicher beschrieben werden (z.B. „Ich sehe dass sich die Lernenden dieser Klasse viel bewegen und sich gegenseitig nicht ausreden lassen, häufig sprechen zwei oder drei Lernende gleichzeitig. Ich sollte beobachten, wann sie das weniger oder mehr machen.“) Weiche Wirklichkeitsbeschreibungen sind schwerer zu kommunizieren und viel komplexer, ermöglicht jedoch einen größeren Handlungsspielraum und kann eine angenehmere Atmosphäre für alle Beteiligten schaffen.

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