21. Januar 2010

Emotionen handhaben

Posted in Emotionale Intelligenz, Selbststudium um 22:23 von bpblogphtg

Zwar haben die Präsenzveranstalungen wieder begonnen, ich möchte mich jedoch trotzdem dem Thema der emtionalen Intelligenz weiter widmen.

Die Übersicht über das, was in den Präsenzveranstaltungen passierte, kann dem Klassenblog:BP entnommen werden.

In meinem LernJob bin ich dabei ebenso auf soziale und personale Kompetenzen eingegangen, die von emotionalen Fähigkeiten sehr  beeinflusst werden.

Ein wichtiger Punkt emotionaler Kompetenzen ist dabei, die eigenen Emotionen handzuhaben. Damit möchte ich mich heute beschäftigen:

Um die eigenen Emotionen handhaben zu können, um zu Selbstregulierung fähig zu sein, müssen die eigenen Gefühle und Emotionen korrekt wahrgenommen werden (siehe letzter Blog). Die emotionale Selbstregulierung erfordert eine gewisse Selbstbeherrschung die es ermöglicht, angemessen auf eine emotionale Situation zu reagieren. Da wir kaum Einfluss darauf haben wann eine emotionale Situation eintrifft und welcher Art sie ist,  ist es um so wichtiger zu wissen, wie man negative Emotionen in Schach hält um sie zeitlich zu begrenzen und schlechte Stimmungen zu überwinden.

Empfindet ein Kind beispielsweise Wut und Zorn über seine Mutter, die ihm morgens nicht die gewünschte Kleidung anziehen darf, so wird sich sein Körper automatisch einen hohen Erregungszustand einnehmen indem er eine „Kämpferhaltung“ einnimmt. Der allgemeine tonische Hintergrund des Körpers des Kindes wird steigen und das emotionale Gehirn in einem hohen Erregbarkeitszustand halten. Geht das Kind nun mit diesem Grundgefühl (über welches es sich vielleicht nicht einmal bewusst ist) in die Schule wo ein Mitschüler es auf der Treppe anrempelt, so kann es sein, dass das Kind emotional überreagiert und seinen Mitschüler schlägt. Dies ist eine unangemessene Situation die daraus entsteht, dass Zorn, Zorn nährt und die negative Erregung bei jeder unliebsamen Kleinigkeit in die Höhe getrieben wird. Für das Kind ist es sehr wichtig zu lernen mit seiner Wut umzugehen und je früher man dabei eingreift, desto größter ist die Wirkung. Zorn kann beispielsweise durch Verständnis entkräftigt werden. Das Kind in meinem Beispiel sollte verstehen, warum es die gewünschte Kleidung nicht anziehen darf, weil es dafür eventuell zu kalt ist und die Mutter sich sorgt, ihr Kind könnte sich erkälten. Der Mitschüler könnten in Eile gewesen sein und das Kind übersehen haben, es aus versehen angerempelt haben. Der Zorn des Kindes würde beschwichtigt und eine angemessene Reaktion würde auf die emotionale Reaktion folgen. Ebenso kann Zorn dadurch gedämpft werden, indem eine „Abkühlungsphase“ überstanden wird, in der man am besten alleine ist, oder dadurch, dass man an etwas anderes denkt, körperliche Bewegung ausübt oder Entspannungsmethoden ausführt. Ebenso ist es für Erzieher von enormer Bedeutung zu wissen, was gegen Zorn und Wut zu tun ist, um nicht Gefahr zu laufen aggressive Gefühle gegenüber den Kindern auszulassen, sondern sich zu entspannen und die schlechte Stimmung zu überwinden um ein angenehmes (Lern-)Klima herzustellen in dem sich die Kinder wohl fühlen.

Ebensolche Strategien bestehen bei Furcht, in welcher Ablenkung durch Entspannungsmethoden und das Einnehmen einer kritische Haltung gegenüber den Sorgen hilft und Trauer, wobei die Stimmung durch Gymnastik, Genüssen, indem anderen in der Not geholfen wird oder dadurch, dass Dinge in neuem Licht gesehen werden gehoben werden kann.

Wer in der Lage ist, seine Emotionen zu handhaben wird sich auch in emotional schwierigen Situationen angemessen verhalten und diese zu überwinden und fähig sein seiner Umwelt die eigenen Gefühle mitzuteilen.

Für Lehrpersonen spielt die Handhabung ihrer Emotionen eine doppelte Rolle: Zum einen sind sie für ein positives Unterrichtsklima innerhalb der Klasse mit verantwortlich. Zum anderen fungieren Lehrpersonen als Vorblider für ihre Schülerinnen und Schüler. Lernende übernehmen, spiegeln, Verhaltensweisen und übernehmen diese. Eine Lehrperson, die ihre Emotionen nicht unter Kontrolle hat, wird dies an ihre Schülerinnen und Schüler weitergeben, ohne es zu merken.

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2 Kommentare »

  1. Johannes Bodmer said,

    Das Thema Emotionen finde ich eine spannende Sache. Ich glaub ich bein ein recht emotionsloser Zeitgenosse. Zumindest bin ich immer wieder überrascht, wenn Personen ihren Emotionen freien Lauf lassen und zum Beispiel ausrasten. Nach Scherer (1984) bestehen Emotionen aus verschiedenen Komponenten:
    · Affektive Komonente: Der Kern der Emotion, also ein subjektiv erlebter Gemütszustand.
    · Kognitive Komponente: Emotionsspezifische Gedanken, wie Wertung oder Ausblick.
    · Expressive Komponente: Körperausdruck
    · Pysiologische Komponente: Pysiologische Prozesse, wie zum Beispiel Schwitzen bei Angst.
    · Motivationale Komponente: Handlungstendenzen

    Ich meine, dass es für Lehrpersonen wichtig ist, die eigenen Emotionen im Griff zu haben. So kann ein Ausflippen oder Ausrasten vermieden werden. Auf der anderen Seite können Emotionen kanalisiert und eventuell so eingesetzt werden, dass dies dem Unterrichtsklima förderlich erscheint. In Schülersicht ist es wohl wichtig als Lehrperson die oben beschriebenen Komponenten der Emotionen zu kennen um aus in der Klasse oder bei einzelnen Schüler gemachten Beobachtungen auf das emotionale Empfinden rückschliessen zu können. Auch wenn in dieser Hinsicht wohl auch viel Spekulation mir im Spiel ist, können so Signale aufgenommen werden, die zu einer direkten Rückfrage der Lehrperson an den entsprechenden Schüler führen kann.

    • bpblogphtg said,

      Deinen Gedanken, dass Lehrpersonen, wenn sie sich selbst mit Emotionen und deren Reaktionen auskennen, ihr Wissen nutzen können, um die Emotionen von Schülerinnen und Schülern zu begreifen, finde ich sehr interessant. Ich glaube, wenn Lehrpersonen die Gefühle ihrer Schülerinnen und Schüler richtig erkennen, können sie beginnen, auf sie einzugehen und ihnen gegebenenfalls mit dem richtigen Umgang des Gefühls helfen. Sie können ihnen zeigen, welche Strategien angewendet werden können, um negative Emotionen in Schach zu halten bzw. mit ihnen richtig umzugehen.
      Dabei darf man nicht vergessen, immer mit einem weiten Blick die Lernenden zu betrachten, und bei der Bildung von Hypothesen, wieso diese Emotionen bei einem Lernenden ausbricht, sehr vorsichtig zu sein. Hier wären wir wieder beim systemisch-konstruktivistischen Ansatz, der die Wichtigkeit betont, alle erdenklichen Möglichkeiten bei der Hypothesenbildung mit einzubeziehen, um sich einen möglichst großen Handlungsspielraum zu bewahren.
      An dieser Stelle möchte ich auf meinen Blogeintrag „wie Wirklichkeiten erfunden werden“ und auf meinen Blogeintrag zur „Kommunikation“ verweisen, in denen ich auf die Hypothesenbildung und den Umgang mit Ursache-und-Wirkung aus systemischer Sicht eingehe.


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