3. Februar 2010

Online-Vorlesung von Prof. Dr. Rolf Arnold – neue Wege des Lehrens und Lernens

Posted in neue Lernkulturen, Selbststudium um 10:51 von bpblogphtg

Prof. Dr. Rolf Arnold,  Technische Universität Kaiserslautern (Fachbereich Sozialwissenschaften, Fachgebiet Pädagogik),  beschäftigt sich in seiner Online-Vorlesung (Link) mit neuen Wegen des Lehrens und Lernens. In der heutigen didaktischen Diskussion wird, im Gegensatz zu den alten Wegen des Lehrens und Lernens (die vom  Lehren ausgehen und  hauptsächlich vom Lehrenden geprägt werden), vom Lernenden selbst ausgegangen. Es wird versucht „Lehren und Lernen neu zu denken“, so Arnold.  Dabei muss heute von den Erkenntnissen der Hirnforschung und von der systemisch-konstruktivistischen Denkweise ausgegangen werden: Lernen ist eine Veränderungsbewegung. Veränderung ist immer Selbstveränderung, oder wie Rilke schon sagte: „wenn du veränderst, verändert sich nichts, denn jede Veränderung ist Selbstveränderung.“

Wenn wir vom Lernenden ausgehen, wenn Lernen der Ausgangspunkt aller Überlegung ist,  müssen wir uns  fragen, wie Lernende überhaupt zu Lernfortschritten gelangen und warum Lernende bestimmte Lernschritte vollziehen, auch wenn keine Lehrperson daran beteiligt ist. Menschen sind dazu geneigt, so zu bleiben wie sie sind. Dies belegt die Hirnforschung, die aufzeigt, dass wir handeln, wie wir schon sehr früh gelernt haben zu handel. Dass wir fühlen, wir wir  fühlen und letztendlich bleiben wollen, wie wir sind. Dabei sind wir jedoch bereit für Veränderungen, solange sie uns dirket betreffen. Diese Veränderungsbewegungen im Lebenslauf, die Entwicklung ist dabei ein selbstorganisierter, geschlossener Prozess, auf den, und das ist besonders für uns Lehrpersonen wichtig, Einfluss genommen werden kann. Allerdings nur, wenn wir von der Lebenswelt der Lernenden ausgehen und in ihre Lebenswelt hineinwirken.

Wir müssen demnach von der Lebenswelt von jungen Menschen ausgehen und vorausschauen, in welcher Zukunft sie leben werden. Da sich heute die Welt so rasant verändert, können wir dafür überhaupt keine eindeutige Prognose abgeben. Wir wissen nicht was kommt, sollen Lernende aber auf ihre Zukunft vorbereiten. Und genau dies ist der springende Punkt, von dem aus es zu denken gilt: welche Komptetenzen benötigen junge Menschen in einer Zukunft, die uns nicht bekannt ist? Die Antwort darauf kann keine andere sein, als die, jungen Menschen beizubringen, selbstständig in ihrer Zukunft mit allen Heraus- und Anforderungen zu leben, sie dafür zu wappnen. Es geht demnach um Problemlösekompetenzen, um den Umgang mit Unsicherheiten, Angst und Emotionen, um Teamfähigkeit, kritische Denkweisen und die Entwicklung eigener Lernmethoden. Es geht um Haltungsentwicklung.

Wie lassen sich diese Kompetenzen entwickeln? Wir müssen mit dem Wissen unterrichten, dass es heutzutage unmengen an Möglichkeiten gibt, sich selbst über Inhalte zu informieren. Seien es Bücher, Filme oder das Internet. Wir müssen begreifen, dass junge Menschen selbst lernen können und uns abgewöhnen, in Bezug auf die Lerninhalte alles anzusprechen. Es gilt vielmehr, Lerndende in ihrem Selbstveränderungsprozess zu begleiten und zu unterstützen.

Dr. Arnolds Thesen sind dementsprechend:

Lernen war schon immer und ist Selbstbewegung.

Lehren war noch nie eine notwendige Bedingung von Lernprozessen.

Lehren ist Veränderungsbegleitung im Lebenslauf.

Wir müssen Bildung als Selbstbidlung neu denken und entdecken, so Arnold. Daraus resultiert auch ein ganz neues Rollenverständnis bezüglich der Lehrperson. Die Lehrperson ist nicht mehr Wissensvermittler, sie wird vielmeht zum unterstützenden Coach, der eigenständiges Lernen unterstützt.

Ich kann mir gut vorstellen, dass diese Rollenveränderung viele Lehrpersonen (vor allem bei denjenigen, die schon lange unterrichten und noch nach der „alten Schule“ ausgebildet wurden) verunsichert. Wir können uns nicht mehr hinter unserem Fachwissen verstecken. Denn offen zu sein für jegliche Veränderungen und  jungen Menschen absolutes Vertrauen in ihre Fähigkeiten und in ihren Willen zu lernen entgegen zu bringen, bedeutet die Zügel aus der Hand zu geben ohne sie dabei aus den Augen zu verlieren. Das ist manchmal gar nicht so einfach.

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1 Kommentar »

  1. Johannes Bodmer said,

    Irgendwie ist es schon lustig. Menschen von gestern, also die Lehrpersonen, versuchen mit den Mitteln von heute die Schüler auf die Welt von morgen vorzubereiten. In einer sich rasant ändernden Umwelt kann natürlich keine eindeutige Prognose abgeben werden. Aber ich für meinen Teil habe schon eine ziemlich genaue Vorstellung was mir wichtig ist und was ich finde was Schüler mit auf ihren Lebensweg bekommen sollten. Das betrifft jetzt wohl viel eher soziale Kompetenzen als irgendeinen dezidierter Wissenskanon, obwohl ich eine gewisse Allgemeinbildung an sich auch für eine erstrebenswerte Sache halte. Im Unterricht die Zügel aus der Hand zu geben fällt mir nicht leicht, doch ist es tatsächlich so, dass die Schüler diese in aller Regel aufnehmen und den Pferden noch viel mehr die Sporen geben, als dies eine Lehrperson könnte.


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